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Autor: Betreff: weitere aktuelle Filme ... (Okt 03)

Posting Freak





Beiträge: 75
Angemeldet: 16.2.2002
Status: Offline

  erstellt am: 8.10.2003 um 00:25
Hallo mal wieder,

ich habe gerade Lust ein wenig über aktuelle Filme zu plaudern ....und ein paar Meinungen und Empfehlungen loszuwerden:

-Herr Lehmann: Überraschung! Sonnenalle, ausschnittsweise
gesehen, fand ich nervig. Aber Herrn Lehmann habe ich geliebt.
Chrisitan Ulmen/Herr Lehmann ist super-sympathisch, wie alle Figuren des Filmes, so dass man schnell und gerne mitlacht. Die Eingangsszene mit dem Hund ist schon herrlich. Der Film überträgt seine dargestellte Atmosphäre auch ganz wunderbar, und die Grund-Stimmung des Films ist angenehm locker, unbekümmert und positiv. Irgendwie stimmts einfach. Und ich habe viel viel gelacht, obwohl einiges vielleicht gar nicht besonders originell ist, aber gerade weils das nicht ist und man trotzdem so viel Spaß hat, zeichnet das den Film aus.

-Willbur Wants To Kill Himself
Hat mir zu Beginn gut gefallen. Ich habe es als Komödie zu ernstem Thema aufgefasst, weil sich in den ersten Sekunden abzeichnet, dass Willbur nicht der Typ ist, der Selbstmordabsichten glaubhaft bzw. mit ansteckender Melancholie darstellt. Er ist vielmehr eine -positiv- Witzfigur.
Dadurch dass der Film dann überwiegend ernste Wege einschlägt - auf welchen er wohl, leicht übersehbar, von Beginn an auch schon wandeln will - wird er gegen Ende ziemlich nervig. Alle sollen erst weinen und dann doch irgendwie glücklich werden. Unverständlich und inhaltslos landet der Film auch am Ende beim positivem Blick in die Zukunft nach den zurückliegenden, schweren Zeiten. Die Themen Tod, Selbstmord und Freude am Dasein, oder wie auch immer man es nennen will, werden aber sehr oberflächlich/schwammig behandelt. Mich hat der Film zumindest nicht erreicht. Nicht im Kopf, nicht im Bauch. Ich sehe nirgends einen Sinn oder eine brauchbare, verständlich - egal ob durch Bild oder Ton - formulierte Botschaft. Nett, sympathisch und lustig, aber zu belanglos.

- Narren
Gemischt. Inhaltlich kam bei mir nicht viel rüber und die Aufnahmen vom Karneval wirkten auch teilweise
zu beliebig. Ich habe mich nicht immer verloren und allein fühlen
können in der irren Masse, weil die Kamera zu wild drübergehuscht ist um erstmal Zugang finden zu können.
Anderseits gibt es sehr eindringliche Momente,
durch sehr eindringliche Bilder. Und da kommt hin und wieder
eine sehr besondere, unangenehme und erschreckend düstere
Stimmung rüber.
Lustig fand ich den Film eigentlich nur selten.
Eine sehr trister und unangenehmer Film, der aber nicht die
ganze Zeit über eindringlich wirkt, manchmal habe ich den Protagonisten verloren. Auf jeden Fall aber sehenswert.

-Ten
Wunderbar. Unglaublich, dass man so mühelos einem Film folgt, der von Gespräch zu Gesrpäch springt. Die Protagonistin fesselt einen zunehmend. Mit ihr zu fahren ist spannend. Ihre Ansichten, ihre Leben und die Widersprüchlichkeit dabei. Außerdem gibts einige sehr schöne und lustige Dialoge. Dabei kommt dann auch wieder eine besondere Atmosphäre auf durch den Lärm, die Geräusche des Autos, Aus- und Einsteigen, Tag- und Nachtwechsel, Wiederkehren von Gesprächspartnern, Entwicklung im Leben der Personen... Ein sehr interessanter und sogar, trotz der des begrenzten Handlungsortes und dem sehr eingeengtem Blick des Zuschauer, ein auch äußerlich schöner Film.










[Editiert am 8/10/2003 von Murnau]

[Editiert am 17/10/2003 von Murnau]

 
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Administrator




Beiträge: 283
Angemeldet: 8.1.2002
Status: Offline

  erstellt am: 8.10.2003 um 16:57
quote:
Hallo mal wieder
yo, gut gesagt war die letzten Wochen durch einen massiven PC-Umbau und zusätzlichen Arbeitsstress ziemlich ausgepowert, und hatte daher wenig Lust & Energie für Zusätzliches.

quote:
Wilbur Wants To Kill Himself
... erstaunlich, exakt so wie du hab ich den Film auch aufgenommen. Allerdings muss ich der Frau Scherfig zugutehalten, dass sie wirklich ein ausserordentliches Gespür für kantige Aussenseitertypen hat, das hat ja schon "Italienisch für Anfänger" diesen liebenswerten und lebensnahen Charme gegeben. So auch bei Wilbur, nur hat man dem Film a) das deutlich höhere Budget angemerkt, was ja nicht schlecht an sich ist, aber b) hat sie dadurch wohl etwas den Sinn für den Sinn verloren (Hollywood-Syndrom sozusagen in leichter Ausprägung)

quote:
-Ten
Wunderbar. Unglaublich,...
Klingt interessant. Leider hab ich ihn damals im Kino verpasst, werd ihn mir aber baldmöglichst mal auf DVD gönnen. Ich hatte damals ein paar Sachen zum Film recherchiert, weil ich zu der Zeit ein verstaerktes Interesse am iranischen Film hatte. Hier mal zwei Texte zum Regisseur Abbas Kiarostami:
Abbas Kiarostami Denied US Visa

Abbas Kiarostami, invited to introduce his latest film Ten at the forthcoming New York Film Festival and give a lecture at Harvard University, was denied entry into the United States. Richard Peña, director of the NYFF, has been informed that Kiarostami was denied a visa by the consular authorities in Paris, where Kiarostami lodged his application, since they require approximately 90 days to "verify the background" of a citizen before granting a visa. Despite Peña’s efforts and the fact that Kiarostami has visited the US several times in the past and Kiarostami’s position and reputation, the US embassy in Paris refused to take his application into consideration.

Jack Lang, formerly France's Minister of National Education and Culture, who tried in vain to intervene by writing a letter to the American Ambassador in Paris, Howard Leach, commented that this situation showed "an intellectual isolationism and an ignorance confining to the contempt for other cultures". Peña comments: "It's a terrible sign of what's happening in my country today that no one seems to realize or care about the kind of negative signal this sends out to the entire Muslim world (not to mention to everyone else)."

Quelle: http://www.sensesofcinema.com/ vom 3. Oktober 2002
und zum Film selbst:
Abbas Kiarostami über Ten

Manchmal sage ich mir, dass TEN ein Film ist, wie ich ihn nie wieder drehen könnte. Man kann sich nicht entscheiden, einen solchen Film zu machen... Er ist ein wenig wie CLOSE-UP. Es ist möglich, den selben Weg weiterzugehen, aber man braucht viel Geduld dafür. Dies ist nichts, was man einfach so wiederholen könnte. Es muss von allein geschehen, wie ein Vorfall oder ein Ereignis... Gleichzeitig ist aber auch eine sorgfältige Vorbereitung nötig. Ursprünglich sollte die Geschichte von einer Psychoanalytikerin handeln, von ihren Patienten und ihrem Auto. Aber das war vor zwei Jahren...

Letzte Woche wurde ich zu einem Film-Workshop für Studenten in Beirut eingeladen. Einer von ihnen sagte: "So einen Film können nur Sie mit Ihrer Reputation machen. Wenn ihn einer von uns gedreht hätte, hätte ihn niemand akzeptiert." Ich antwortete, dass ich als Lehrer ehrlich sein musste: Um etwas so einfaches zu erschaffen braucht man große Erfahrung. Und zu aller erst muss man begreifen, dass einfach nicht gleichbedeutend ist mit leicht.

Kundera hat einmal eine Geschichte erzählt, die mich tief beeindruckt hat: Er berichtet, wie sich der Wortschatz seines Vaters mit dem Alter immer mehr verringerte bis es sich, am Ende seines Lebens, auf zwei Wörter reduziert hatte: "Alles seltsam! Alles seltsam!" Natürlich hatte er diesen Punkt nicht erreicht, weil er sonst nichts mehr zu sagen hatte, sondern weil diese beiden Wörter eindrucksvoll die Erfahrungen seines Lebens zusammenfassten. Sie waren die Essenz. Vielleicht ist dies auch die Geschichte hinter dem Minimalismus...

Das Verschwinden der Regie. Darum geht es: die Ablehnung aller Elemente, die für das normale Kino notwendig sind. Ich möchte hier - mit der größten Vorsicht - feststellen, dass die Regie im herkömmlichen Sinne des Wortes, in diesem Prozess verschwinden kann. Bei dieser Art des Filmemachens ähnelt der Regisseur eher einem Fußballtrainer. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Zeit vor den Aufnahmen. Für mich beginnt der Film lange vor den tatsächlichen Vorbereitungen und er ist fast niemals wirklich vorbei. Es ist ein endloses Spiel. Jedes Mal, wenn ich ihn zeige, bin ich gespannt auf die Reaktion des Publikums. Die Diskussionen, die der Vorführung folgen, gehen jedes Mal in eine neue Richtung... Für mich liegt die Schönheit der Kunst in den Reaktionen, die sie hervorruft.

Dieser Film wurde geschaffen ohne wirklich geschaffen worden zu sein. Dennoch ist er keine Dokumentation. Weder eine Dokumentation, noch ein durchfabrizierter Film. Vielleicht steht er irgendwo in der Mitte zwischen diesen beiden Formen... Eine Szene entsteht und ich entscheide, dass sie mir gefällt. Erst später wird mir klar, dass gerade dieses Element für den Zusammenhalt des Ganzen entscheidend war.

TEN haben wir in einem Auto gedreht. Der kleine Junge sieht in die Kamera. Die Szene spielt sich vor der Kamera ab. Dennoch kommen auch Leute vorbei, drehen das Fenster runter, spähen in den Wagen. Das ist dokumentarisch. Das ist Hintergrund. Sie blicken in die Kamera. Doch das, was vor der Kamera geschieht, ist nicht dokumentarisch, denn es wird auf gewisse Weise geführt und kontrolliert. Der Person vor der Kamera gelingt es, die Präsenz der Kamera zu vergessen, sie verschwindet für sie. So werden Emotionen geschaffen als Ergebnis einer gewissen Menge von Energie und Information, die wir geben und später wiederfinden. Es zirkuliert... Daraus entsteht die Komplexität der Situation. Dieser Fluss muss kontrolliert werden, um zum richtigen Zeitpunkt freigegeben zu werden.

Du kannst dir selbst nicht versprechen, dass du noch einmal einen solchen Film drehen wirst. Es ist, als ob du deine tiefsten Ideen und Überzeugungen erschütterst. Manchmal ist es einfacher, dich selbst zu schützen mit altmodischer Regie, mit Ausstattung, mit Szenerie...

Wenn mich jemand fragen würde, was ich als Regisseur zu diesem Film beigetragen habe, würde ich antworten: "Nichts. Und doch würde es ihn nicht geben, wenn es mich nicht geben würde."

In allen meinen Filmen gibt es Momente, in denen die emotionale Kraft über die Regieanweisung hinausgeht, über sie triumphiert und die Emotion mächtiger wird als das Kino selbst. In DER GESCHMACK DER KIRSCHE gibt es eine Szene, in der Mr. Badii sich weigert, seine Gefühle zu zeigen, während er über sich selbst spricht. Seine Mundwinkel fangen an zu zittern und er beginnt zu schluchzen. Dies sind Szenen, von denen ich nicht behaupte, sie erschaffen zu haben. Das würde ihnen nicht gerecht. Ich war fähig, sie zu provozieren und sie im richtigen Moment einzufangen. Das ist alles.

Dieser Film sind meine eigenen "zwei Worte". Er fasst beinahe alles zusammen. Ich sage "beinahe", da ich schon über meinen nächsten Film nachdenke. Vielleicht wird es ein "Ein-Wort-Film"...


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    Posting Freak



    Beiträge: 75
    Angemeldet: 16.2.2002
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      erstellt am: 17.10.2003 um 14:52
    Neulich im Kino habe ich gesehen:


    THE GOOD THIEF von Neil Jordan:

    Am Anfang leidet die Pointierung der Dialoge etwas unter der Synchronisation - habe ich mir zumindest eingebildet ... ich fand das alles nämlich noch nicht so toll, abgesehen von der Atmosphäre. Ein ziemlich exotisches Europa wird inszeniert. Ab einem gewissen Punkt werden dann die Dialoge, bzw. Nick Noltes Part immer interessanter. Die wahren Absichten werden zunehmend undurchsichtiger, Nick Nolte stiftet hierbei am meisten Verwirrung. Ein Typ, der immer irgendwie lügt, dabei doch Wahres erzählt und der sein Leben als ein ziemlich schwer zu greifendes Spiel mit einer Art doppeltem Boden vorlebt. Der Film hat sehr atmosphärische Bilder, dadurch gibt es paar eindringliche Momente, unterstützt vom sehr ansprechenden Soundtrack. Ich mag den Film.



    MEIN LEBEN OHNE MICH
    von Isabel Coixet:


    Ein kopflastiger Film - ich habe ihn zumindest so aufgefasst. Der Film ist überhaupt nicht sentimental, eher nüchtern. Das macht ihn im Zusammen-hang mit dem Thema interessant. Man kommt allein über die Bilder zu keinem schlüssigem Gefühl, man muss irgendwie
    weiter/- mitdenken. Meiner Meinung nach ist die Handlung wohl idealisiert. D.h. der Protagonistin wird das perfekte "Leben ohne mich" ermöglicht. Dabei kommen ziemlich viele Fragen auf, die – das ist auch gut so – nicht bzw. nur ansatzweise Beantwortung finden. Eher ganz beiläufig wird bemerkt, dass das Leben daraus besteht, unter großem Aufwand den Tod zu verdrängen. Offen bleibt in solchen kleinen Momenten der Erkenntnis, ob das Verdrängen nun gut ist oder nicht. Das muss der Zuschauer entscheiden.
    Mir haben die Schauspieler und die durchweg sympathischen Charaktere sehr gefallen. Der Film ist auch schön gemacht; ruhig, unspektakulär und mit einigen einprägsamen Momenten.





    [Editiert am 23/10/2003 von Murnau]

     
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    Administrator




    Beiträge: 283
    Angemeldet: 8.1.2002
    Status: Offline

      erstellt am: 25.10.2003 um 16:33
    "Mein Leben ohne mich" ist wohl auch wieder so ein Film, den ich leider im Kino verpassen werde Klingt aber interessant, deine Beschreibung. Ich hab die letzte Zeit nicht viel im Kino gesehen, ein Film aber blieb hängen:

    Jennerwein
    von Hans-Günther Bücking

    Ist eine Art moderner Heimatfilm: die Geschichte selbst ist ja weitgehend bekannt, und gehoert zum volkstuemlichen Erbe. Ist in zahlreichen Theaterstuecken und auch Liedern immer wieder bearbeitet worden. Gibt ja auch was her: der unabhaengige, freiheitsliebende Wilderer mit grossem Herz wird am Ende von seinem besten Freund von hinten erschossen.

    Das besondere ist eigentlich der Look des Films: düstere Bilder mit einer farblosen s/w-Ästhetik erinnern einen an frühe Italo-Western; insofern könnte man den Film als eine Art alpinen Italo-Western bezeichnen Ich kann mir gut vorstellen, dass es damals wirklich so dreckig zugegangen ist - sehr eindrucksvoll, und mit guten Schauspielern glaubhaft und nicht allzu pathetisch umgesetzt.

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