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F.LM - Texte zum Film [Filmzeitschrift]

(692 Wörter)
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F.LM - Texte zum Film


F.LM - Texte zum Film

Spannende Texte zum Film
von Ulrich Behrens

Filmzeitschriften gibt es ... na, ja, nicht gerade wie Sand am Meer, aber doch mehr als genug. Oder doch nicht? Einige Kulturwissenschaftler jedenfalls, darunter Stefan Höltgen, Dr. Sigrid Lange, Matthias Reitze, Isabell Otto und Nicole Maus, meinten wohl, es gebe noch Bedarf an einer weiteren und gaben jetzt die erste Nummer der Zeitschrift »F.LM – Texte zum Film« heraus. Auf 48 Seiten soll den Interessenten ein Zugang zum Film der Gegenwart vermittelt werden, der ĂŒber »normale« Filmkritiken hinaus »den zeitgenössischen Film ab 1980 ins Zentrum« rĂŒcken will, durchaus unter RĂŒckgriff auf filmhistorische und kulturelle Aspekte. Die Redaktion, die aus den o.g. Personen besteht, will »jungen Film- und Kulturwissenschaftlern [..] Raum fĂŒr ihre jeweiligen Interpretationsangebote und Analysen zum Medium Film in allen seinen Erscheinungsformen« verschaffen (aus dem Editorial).

Das quadratische Format dieser neuen – und vielleicht neuartigen – Zeitschrift zum Film soll dabei nur Ă€ußeres Zeichen fĂŒr eine »MarktlĂŒcke« sein. Worin könnte sie bestehen? Vielleicht – soweit ich die BeitrĂ€ge der ersten Nummer der Zeitschrift verstanden habe – darin, dass man zum einen ĂŒber den Tellerrand des Kinoalltags hinaus Tendenzen nachspĂŒrt. Das machen andere Kinozeitschriften wie epd Film etwa auch, doch schon die ersten AufsĂ€tze der Nummer 1 der F.LM deuten an, wohin der Zug vielleicht fahren könnte: Film – Kultur – Gesellschaft wĂ€re vielleicht zu allgemein formuliert. Film als historisches und kulturelles »Ereignis«, »PhĂ€nomen«, dem man nachspĂŒrt und nachspĂŒren will, kommt der Sache vielleicht nĂ€her. Aber letztlich hĂ€ngt wohl auch viel davon ab, wer sich an einem solchen Projekt kĂŒnftig noch beteiligen wird.

So beschĂ€ftigt sich Arno Meteling in seinem Beitrag »Metamorphosen des Flaneurs« mit dem »einsamen Wolf, der der (kĂŒnstlichen) Wildnis entkommen ist, und als wirklich letzter Flaneur ziellos durch die Straßen der Großstadt schleicht« (S. 11). Kurzum: Es geht um die Figuren im modernen Film der vergangenen Jahrzehnte, die als Detektive, JĂ€ger, aber auch als Monster durch die Großstadt irren. Es geht um die Geheimnisse des stĂ€dtischen Lebens im Film, ja oft um das Nicht-(Mehr-)Verstehen-Können von Welt und Stadt, das sich durchaus in den Kinofilmen immer wieder findet.

Heft 1 der »F.LM – Texte zum Film« beschĂ€ftigt sich schwerpunktmĂ€ĂŸig mit dem Thema »Stadt und Film« – auch Stefan Höltgen in seinem Beitrag »Afternoons in Utopia«. Er macht in den utopischen Stoffen der Kunst zwei Tendenzen sichtbar, zum einen die Widerspiegelung gegenwĂ€rtiger gesellschaftlicher VerhĂ€ltnisse und ihre Überspitzung zur Fiktion, zum anderen die Projektion dieser Stoffe in potentielle kĂŒnftige GesellschaftszustĂ€nde. Dadurch könnten sowohl erlösende, befreiende, aber oft eben auch ernĂŒchternde ZustĂ€nde entworfen werden, ZustĂ€nde des Verfalls, des Niedergangs.

Nadine Schmidt beschÀftigt sich in einem weiteren Beitrag mit dem Regisseur Jem Cohen und seinem immer wiederkehrenden Thema: die Stadt und der Blick des Fremden auf diese Stadt. Matthias Reitze schreibt zu Spike Lee und betitelt seinen interessanten Aufsatz »Der Boom des Ghettofilms im New Black Cinema der 80er un 90er Jahre«. Und Georg Joachim Schmitt befasst sich in seinem Beitrag mit dem dÀnischen Regisseur Nicolas Winding Refn und seiner Stellungnahme zum Thema Mediengewalt.

Ein Kurzbeitrag zu Klaus Kinski sowie Rezensionen bilden den Abschluss der ersten Nummer der neuen Zeitschrift, die in unregelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden erscheinen soll.

Ich bin beeindruckt. FĂŒr die erste Nummer einer neuen Zeitschrift haben sich Redaktion und Autoren und Autorinnen wirklich erfolgreich ins Zeug gelegt. Die QualitĂ€t der BeitrĂ€ge ist hoch, sie sind trotz ihres wissenschaftlichen Anspruchs verstĂ€ndlich geschrieben, und vor allem: Sie sind fĂŒr Freaks des Kinofilms, der Filmkultur, die nicht nur ab und zu aus reinem Spaß ins Kino gehen, sondern sich mit dieser Kunstform intensiver beschĂ€ftigen wollen, mehr als interessant.

Es lohnt sich ĂŒbrigens, F.LM auch online zu besuchen. Auch dort bemĂŒht sich die Redaktion parallel zur Zeitschrift um den Aufbau eines etwas anderen Zugangs zur Filmkultur.

F.LM - Texte zum Film

Herausgeber: Stefan Höltgen, Ralf Leppin Gbr.
Verlag: Teiresias Verlag Köln, Kalscheurer Weg U 33, 50969 Köln, verlag@f-lm.de

Redaktionsanschrift: F.LM – Texte zum Film, c/o Stefan Höltgen, Postfach 91 22 32, 51093 Köln
redaktion@f-lm.de
Infos im Internet: www.f-lm.de
Einzelpreis: € 5,50 zzgl. Porto
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