Startseite Alle Themen anzeigen Alle Artikel anzeigen Neuigkeiten aus der Filmwelt Schreib was! Top ten
Willkommen bei kino.lounge
   
  LogIn    
HauptmenĂŒ
· Home
· Suche

Inhalte
· Film-Kritiken
· Film-Bilder
· Film-Termine
· Film-Links

Community
· Forum
· GĂ€stebuch

ShoutBox
Login to post!

Wer ist im Chat
Foyer0 users

Mitglieder online


Du bist nicht angemeldet

0 member(s) online.
2 guest(s) online.

Letzte 10 Besucher
walt: 1067 days ago
admin: 1910 days ago
JohFredersen: 5849 days ago
LoonaLovegood: 5923 days ago
nobudgetarts: 6242 days ago
DustyYS: 6272 days ago
philip23214: 6311 days ago
isaac23043: 6314 days ago
angel-of-night: 6325 days ago
chas22023: 6327 days ago

Umfrage:
KILL BILL ist fĂŒr mich

· genial
· ganz gut
· mittelmĂ€ssig
· schlecht
Ergebnisse

Stimmen: 308

andere Umfragen

Filmtitel-Suche

auf der Internet Movie
Database, der weltweit
grössten Filmdatenbank

Filmkritik-Suche

auf der Movie Review
Query Engine, der
weltweit grössten
Datenbank fĂŒr
Filmkritiken

Aktionen

Get a REAL Browser!

Boykottiere die Musikindustrie - kaufe keine CDs!

be aware of RFID

Rettet das Internet!

Blue Moon

Blue MoonÖsterreich 2002
Regie: Andrea Maria Dusl


We all come from something like that

„Wie geh ma vor?“ „Vorgehn is scho folsch“, antwortete Josef Hader in Komm sĂŒĂŸer Tod (2000) als Rettungsfahrer seinem Kollegen. Hader spielt gerne und gut den Unsympathischen, der fĂŒr andere Null Interesse zeigt, mal ĂŒbel gelaunt, mal stur, meist beides. So spielte er auch in Indien (1993). In Andrea Maria Dusls Blue Moon ist Hader auch nicht gerade gut drauf. Als Geldbote Johnny Pichler, der einem dubiosen Mafiosi zu wenig Geld, weil zu spĂ€t ĂŒberbringt, wird er in dessen Super-Schlitten verfrachtet. Der Edel-Prostituierten Shirley (Viktoria Malektorovych), die zwar einen amerikanischen Namen trĂ€gt und sich auch so kleidet, aber aus der Ukraine stammt, verdankt Pichler dann eine Reise. Sie setzt den Mafiosi kurz entschlossen mit „Kampfgas“ aus dem Spraydöschen außer Gefecht und flĂŒchtet mit Pichler gen Osten.

Pichler scheint ein gemachter Mann: teures Auto, Geld, schöne Frau – was will er mehr. Allerdings schaut Hader in solchen Momenten alles andere als glĂŒcklich drein. Er schaut sich das alles eher verhalten an, so als ob es normal wĂ€re und gleichzeitig zum Staunen. Johnny muss flĂŒchten, dorthin, wo ihn seine „Feinde“ am wenigsten erwarten, in die Slowakei. „So, you come from America?“ fragt er die schöne Blonde. „Yes, something like that“, antwortet die und Johnny: „We all come from something like that.“ Das sind die Momente in denen „Blue Moon“ am besten ist. Sie kĂŒndigen im ĂŒbrigen Änderungen an. Shirley ist plötzlich verschwunden.

Johnny trifft kurz darauf den, der in diesem Film gerade noch gefehlt hat: Detlev Buck als Ignaz Springer, einen Abenteurer auf Sparflamme, einen FlĂŒchtling, vor allem vor sich selbst, ein gescheitertes Immer-Wieder-Stehauf-MĂ€nnchen, mit dem entsprechenden (eben Buck’schen) Humor. (Als Johnny sich mit „Pichler“ vorstellt, wiederholt Buck dieses „Pichler“, als wolle er sagen: Wie kann man nur so heißen, na ja, was soll’s, Pichler halt.) Springer lĂ€sst nicht los von Johnny, bietet und biedert sich ihm an, verkauft die Luxuskarosse zum Tiefstpreis und verbringt mit Johnny und zwei leichten Slowakinnen eine heiße Nacht.

Szene aus Blue Moon

Johnny ist dieser Vorbote des UnglĂŒcks ein Dorn im Auge. Aber immerhin verschafft ihm der nur schwer als Ostdeutscher erkennbare vermeintliche SchuhverkĂ€ufer neue Treter mit der Bemerkung: „Lieber ein Paar neue Schuhe als ein gestohlenes Auto.“ Das klingt fast so dĂ€mlich wie „Draußen ist es kĂ€lter als nachts.“ Also setzt sich Johnny ab und begibt sich auf die Suche nach Shirley: in die Ukraine. Lwiw und Kiew – Andrea Maria Dusl fĂŒhrt uns in ihrem bemerkenswerten Roadmovie bis zum Schwarzen Meer nach Odessa. Pichler findet Jana (Viktoria Malektorovych), die vermeintliche Zwillingsschwester Shirleys. Jana, kurzgeschnittene Haare, wohnt in einem trist eingerichteten Haus, hĂŒtet Schafe, tanzt gut, fĂ€hrt Taxi fragt Pichler nach Shirley, schlĂ€ft mit ihm und verschwindet des öfteren heimlich fĂŒr ein oder zwei Tage. Auch sie hat etwas zu verbergen.

Szene aus Blue Moon

Alle in diesem Film haben etwas zu verbergen. Johnny erzĂ€hlt aus dem Off ab und an von den Weisheiten seiner Großmutter. Sonst weiß man ĂŒber diesen Pichler nichts. Hader spielt ihn mit extremer ZurĂŒckhaltung, und gerade diese reduzierte Spiel ist es – paradoxerweise –, das einen ahnen lĂ€sst, was gerade in ihm vorgeht. Haders Humor ist grandios. Als ihn ukrainische Jugendliche ausnehmen wollen (sie verlangen fĂŒr einen in Zeitungspapier eingewickelten Backstein Pichlers Geld), lĂ€sst er das alles ohne Widerstand ĂŒber sich ergehen. Zum einen hĂ€tte er keine Chance gegen die Bande gehabt, zum anderen sucht er auch gar nicht erst nach einem Ausweg. Zum Schluss bedankt er sich fĂŒr den Diebstahl. Dieses Danke kommt so ĂŒberlegen heraus, dass man ahnt: Pichler findet einen anderen Weg erst einmal ohne Geld und: Pichler nimmt die Dinge, wie sie kommen. SpĂ€ter wendet er, als er Geld fĂŒr die Fahrt nach Odessa braucht, die gleiche Methode an. Hader sitzt vor einem Haus und verpackt einen Ziegelstein in Zeitungspapier, scheint noch zu ĂŒberlegen. Hader muss nur da sitzen und den Stein anschauen. Das reicht. Man lacht unwillkĂŒrlich. Haders Pichler als StraßenrĂ€uber, kaum vorstellbar.

Pichler muss Shirley / Jana zweimal suchen. Er entdeckt ihr Geheimnis und er entdeckt sich selbst. Der Loser aus Österreich kann penetrant werden. Er steht da in der Welt wie hineingeworfen, ohne Chance, aber wenn es ihm zu bunt wird, greift er zur Selbsthilfe. Blue Moon – das ist der Ă€ußerst seltene Fall eines zweifachen Vollmondes innerhalb eines Monats (demnĂ€chst im Juli 2004). Der Film beginnt und endet mit dem Vollmond. Der Blue Moon steht fĂŒr die Liebe, die Hader findet, eine merkwĂŒrdige Liebe, die er da entdeckt, die zu sich selbst ĂŒber die Liebe zu Jana. Wenn die beiden am Schluss beide ins Schwarze Meer springen, in Odessa, er vom Hafen, sie von der FĂ€hre, dann ist dies besonders doppeldeutig und schön. Die beiden Verlierer aus Ost und West fallen ins Wasser, aber dort begegnen sie sich, vereinen sich.

Szene aus Blue Moon

Pichler trifft auch Springer mehrfach, den Deus ex machina, den ewigen Verlierer, der sich durchschlĂ€ngelt, ob mit Schuhverkauf, Bettelei oder KleinkriminalitĂ€t. Auch ihm entkommen Pichler und Jana, dem, fĂŒr das er steht. Viktoria Malektorovych spielt diese Shirley / Jana in einer wunderbaren Doppeldeutigkeit, als Gefangene ihrer selbst, als Schein-Westlerin und als Real-Ostlerin, als durch eine tragische Familiengeschichte Geschlagene.

Blue Moon zeigt, wie nah und wie fern – je nach Blickwinkel – Ost und West sich sind. Dusl zeigt den doppelten Betrug, den Betrug an den Menschen und den Selbstbetrug. Dusl verzichtet auf eine kĂŒnstlich gezimmerte Inszenierung der ukrainischen RealitĂ€t. Sie lĂ€sst das einfach laufen und konzentriert sich auf ihre drei Hauptfiguren. Viktoria Malektorovych, Josef Hader und Detlev Buck passen da hervorragend zusammen. Und das alles tat dem Film unheimlich gut.

© Ulrich Behrens 2002 – veröffentlicht zuerst in: www.ciao.com



Weitere Links zum Thema:


Mehr Kritiken zum Film auf Internet Movie Database Movie Review Query Engine Rotten Tomatoes


hinzugefügt: November 12th 2002
Autor: Ulrich Behrens
Punkte:
zugehöriger Link: Internet Movie Database (IMDb)
Hits: 6566
Sprache: deu

  

[ Zurück zur Übersicht | Kommentar schreiben ]


© 2oo1-2o14 by kinolounge.de · Impressum · Creative Commons Lizenz · powered by PostNuke CMS