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City of God

City of God(Cidade de deus)
Brasilien 2oo2
Regie: Kátia Lund, Fernando Meirelles


Parameter: cool, dynamisch, sexy

Elegant säbelt das Messer über den Abziehstein, halbiert Limetten, hackt Chilis, schabt einem Federvieh die Gurgel blank, alles in Höllentempo geschnitten auf der Basslinie von Latinohiphop und unter lautem Gegacker von Huhn und hungrigen Halbstarken. Jedoch das blöde Suppenhuhn entflieht in labyrinthische Gassen der Armensiedlung, von grölender Meute und gehetzter Kamera vor ein Auto gejagt flattert es zwischen die Reifen und irgendwie wieder drunter hervor. Da torkelt es nun, gerupft, benommen und am Leben. Zum Ende des Films wird es uns noch einmal begegnen.

Später diese Szene: Die jugendlichen Bosse einer Drogengang rekrutieren Nachwuchs. Ein Kind wird gezwungen, ein anderes zu erschießen, eine Härteprobe. Schlimmer noch, es ist gezwungen, zwischen zwei anderen Kindern zu wählen. Es kneift die Augen zu und erschießt das ältere, zum Amüsement der Umstehenden.

Perverserweise bangt es einen mehr ums Huhn als um den jungen Mörder und seine Opfer. Über sie erfährt man schlicht und ergreifend nichts mehr. "City of God" inszeniert beide Szenen gleichermaßen episodisch, als Exempel überhitzter Grausamkeit, Höhepunkte in einer Kette weiterer Exzesse. In den Favelas von Rio, so markiert der Film mit dieser Indifferenz, ist ein Menschenleben nichts wert - und mag damit recht haben. Da er Fiktion ist, dürfte er auch Falsches behaupten, muss er keine Erklärungen liefern und keine Wertung abgeben. Aber er muss zu erkennen geben, inwiefern jene Indifferenz narratives Bewusstsein aufweist, inwiefern sie nicht zur Willkür, sondern zur Autorität seines Erzählens gehört.

Sein Bewusstsein jedoch hält Regisseur Fernando Meirelles vor allem fixiert auf das, was in der Werbesprache Look heißt: die optisch-akustische Aufmotzung jenes ansteckenden Feelings, in dem wir - infiziert - das Produkt zugleich mitschlucken. Coolness, Dynamik und Sex sind in der Werbung Parameter, und cool, dynamisch, sexy inszeniert Meirelles seinen Anekdotenreigen über eine Horde Rotzbengel, die während der 60er aufwachsen in der Cidade de Deus, in den 70ern dann rücksichtslos das Drogengeschäft an sich reißen und in den 80ern, paranoid geworden von Stoff und Größenwahn, ihren eigenen Untergang in tödlichen Fehden besiegeln.

City of God

Die drei Dekaden erhalten eine jeweilige Tönung, das patinierte Orangebraun aus Kindertagen wird abgelöst durch hippiebunten Discoglamour und schließlich ausgewaschen zum kalten Videoblau einer hysterischen Handkamera. An "Boogie Nights" erinnert diese effektreiche Stilakrobatik. Im Unterschied zu Paul Thomas Anderson jedoch lässt Mereilles kein einziges Mal durchblicken, dass er solch standardisiertes Zeitkolorit in Anführungszeichen setzt. Seinerseits überrumpelt von Feeling, verkauft "City of God" als Original, was lediglich Zitat sein kann, hierin folkloristischem Kunsthandwerk ununterscheidbar. Einfach gesagt, Mereilles will glauben machen, die Ereignisse, die er cool, dynamisch und sexy inszeniert, seien cool, dynamisch und sexy.

Das Verfahren wird, um darauf zurückzukommen, in Mereilles Herumschnurren um den Gewaltkitzel besonders abgeschmackt. Einmal massakriert ein Zehnjähriger alle Stundenpärchen eines Stundenmotels, eine malerische Geburt des Abgrundbösen. Später wird ein Mädchen vom Mob vergewaltigt, damit der Film ihren Freund als alttestamentarischen Racheengel etablieren kann. In diesen Episoden weidet sich "City of God" wenn nicht an der Tat, so an der Wirkung und die lässt sich auch als Nummernrevue erzielen: Ein exekutiertes Huhn, Kind, Mädchen, Dealerschwein - Mereilles Indifferenz, man muss sie buchstäblich übersetzen als Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema, nicht als künstlerische Reflexion auf einen Zustand der Welt.

Noch in weiterer Hinsicht verfährt der Film ärgerlich. Das Drehbuch ist entwickelt aus einem Roman von Paulo Lins ("Cidade de Deus"), der die Geschichte der Barackensiedlung unter Aufwendung zahlloser Figuren und Ereignisse wiedergibt. Aus der Anekdotensammlung schiebt Mereilles den Werdegang einiger junger Männer in den Vordergrund, die Zeitsprünge zwischen ihren biographischen Etappen sind in Rückblenden gestaffelt. Mit dem Ergebnis, dass Episoden, die nie als Stufen eines Entwicklungs- oder Erziehungsromans gedacht waren, in der Aufeinanderfolge nun krude psychologische Skizzen der Helden darstellen. Der Oberböse ist urplötzlich liebesbedürftig, der Edle korrupt bis auf die Knochen, der Verliebte dem Nebenbuhler gut Freund. Unlogik, die Mereilles in Kauf nimmt, damit's seifenopernmäßig menschelt.

Buscape

Über dem Film liegt die Erzählstimme von Buscapé, der Photograph werden will. (In der deutschen Fassung eingesprochen von Xavier Naidoo. Danke.) Für einen Regisseur natürlich verführerisch: Mereilles macht ihn zur Identifikationsfigur. Buscapé schleicht durch die Favela und verdient zum ersten Mal Lohn und Anerkennung mit seinen Schnappschüssen, oft von Verbrechen. Er kommt nah ran, weil er sich auskennt, weil er dazugehört. Doch im Moment, in dem ihm das Medium einen biographischen Ausweg eröffnet, schiebt es sich auch schon zwischen ihn und die trostlose Wirklichkeit. Nichts schmeichelt der stärker, als ein geschöntes Porträt. Buscapé erkennt das schnell und ist dabei ehrlicher als sein Film.

A propos ehrlich:

Die Vermarktungsstrategie des Films verweist auf die Echtheitssiegel seiner Romanvorlage, Laiendarsteller und Drehorte. Für das Casting der Straßenbengel wurde eigens ein Theaterworkshop eingerichtet, zwar nicht in der Cidade de Deus, die Mafia wollte nicht mitspielen, aber nebenan immerhin. Regisseur Mereilles betont in Interviews, wie genau er den Darstellern auf's Maul geschaut habe und welche pädagogische Wirkung der Film auf die brasilianische Sozialpolitik habe. Stylish findet er sein Werk nicht.

Die Kritiken hingegen überbieten sich in Vergleichen mit Scorsese und Tarantino und in Hymnen auf Mereilles' Stil. Selbst der sonst bedachte Guardian dreht durch: "A thriller so tense that you might have the red seat plush in front of you - or even some unfortunate's hair - gripped in both fists." Unser Misstrauen gegen Film teilt der kamera.co.uk-Kritiker: "City of God tries to blur the line between real life and fiction by using 'real people' from the 'real slum' where the action is set (..) and it does that with so much hunger that the result looks quite convincing, even though it's only a mirage."

Dieser Text erschien zuerst auf filmtext.com




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hinzugefügt: June 11th 2003
Autor: Urs Richter
Punkte:
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Hits: 12243
Sprache: deu

  

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City of God
Veröffentlicht von Anonymous am 2003-06-27 13:28:08
Meine Wertung:



>> "denn das, was der Bericht aussagt, deutet auf die Probleme, die der Autor mit dem Film hat"

Und was soll daran falsch sein? Darf man mit einem Film kein Problem haben?

City of God
Veröffentlicht von walt am 2003-06-24 09:24:12
Meine Wertung:



Ich finde, dass diese Kritik den Film sehr gut beschreibt; aehnlich wie der Autor habe ich den Film auch erlebt.

City of God
Veröffentlicht von Wildheart am 2003-06-23 23:53:01
Meine Wertung:



Ein "glänzender" Bericht, der im Grunde über den Film nichts aussagt, denn das, was der Bericht aussagt, deutet auf die Probleme, die der Autor mit dem Film hat - auf nichts mehr. Ich "liebe" solche Kritiken, denn sie sagen mehr über den Verfasser, als über den Film.


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