Startseite Alle Themen anzeigen Alle Artikel anzeigen Neuigkeiten aus der Filmwelt Schreib was! Top ten
Willkommen bei kino.lounge
   
  LogIn    
Hauptmenü
· Home
· Kontakt
· Suche

Inhalte
· Film-Kritiken
· Film-Bilder
· Film-Termine
· Film-Links

Community
· Forum
· Gästebuch

ShoutBox
Login to post!

Wer ist im Chat
Foyer0 users

Mitglieder online


Du bist nicht angemeldet

0 member(s) online.
3 guest(s) online.

Letzte 10 Besucher
walt: 21 days ago
JohFredersen: 3411 days ago
LoonaLovegood: 3486 days ago
nobudgetarts: 3804 days ago
DustyYS: 3835 days ago
philip23214: 3874 days ago
isaac23043: 3877 days ago
angel-of-night: 3888 days ago
chas22023: 3890 days ago
julius2200: 3890 days ago

Umfrage:
KILL BILL ist für mich

· genial
· ganz gut
· mittelmässig
· schlecht
Ergebnisse

Stimmen: 308

andere Umfragen

Filmtitel-Suche

auf der Internet Movie
Database, der weltweit
grössten Filmdatenbank

Filmkritik-Suche

auf der Movie Review
Query Engine, der
weltweit grössten
Datenbank für
Filmkritiken

Aktionen

Get a REAL Browser!

Boykottiere die Musikindustrie - kaufe keine CDs!

be aware of RFID

Rettet das Internet!

Weiße Rauschen, Das

Weiße Rauschen, DasDeutschland 2001
Regie und Drehbuch: Hans Weingartner


Versuch der Annäherung an Schizophrenie

In einem Interview äußerte Regisseur Hans Weingartner, er habe mit seinem Film das Thema Schizophrenie nicht wie in anderen Filmen aufgrund von Effekthascherei ausschlachten oder seinen Betroffenen als psychopathischen Serienkiller oder wahnwitziges Genie zeigen wollen. Vielmehr wollte er darstellen, wie allein oft Betroffene dieser Krankheit seien und von ihrer Umwelt weder verstanden würden, noch sich jemand Zeit für sie nehme.

Inhalt
Der 21jährige Lukas (Daniel Brühl) kommt endlich aus seiner kleinstädtischen Heimat heraus in die Großstadt. Er zieht zu seiner Schwester Kati (Anabelle Lachatte) in eine WG, in der sie mit ihrem Freund Jochen (Patrick Joswig) lebt. Lukas träumt von Unabhängigkeit und lustvollem Leben. Und so scheint es auch zu beginnen. Partys, ein bisschen Drogen, und die erste Frau, mit der er sich zu einem Kinoabend verabredet. Doch als die Kinokassierin erklärt, der Film »Taxi Driver« laufe an diesem Abend nicht, beschimpft Lukas sie auf die übelste Weise. Seine neue Bekannte (Katharina Schüttler) ist entsetzt, und flieht vor Lukas.

Nach einem Ausflug, den Kati und Jochen für Lukas organisieren, um ihn wieder aufzumuntern, sind alle vom Genuss psychedelischer Pilze auf dem Trip. Doch während Kati und Jochen am nächsten Tag wieder in Ordnung sind, beginnt für Lukas ein dauerhafter Trip. Plötzlich hört er Stimmen, laut, deutlich. Auch überlaute Musik lässt sie nicht verschwinden. Zunächst nimmt er an, seine Schwester und Jochen würden über ihn reden, ja, wollten ihn möglicherweise fertig machen. Er geht auf Jochen los. Und später springt er aus dem Fenster.
Lukas landet in der Psychiatrie. Die Diagnose des Arztes (Michael Schütz) ist eindeutig: Schizophrenie ...

Inszenierung
Was anfängt, wie der etwas unbeholfene Beginn eines neuen Lebensabschnitts, wie eine leicht komödienhaft wirkende Geschichte eines jungen Mannes, der sich in der Großstadt, mit dem Verhältnis zu Frauen, mit dem Studium erst einmal zurechtfinden muss, geht fast von einem Augenblick zum nächsten über in einen Horrortrip. Der Dogma-ähnlich gedrehte Film, mit oft drei Digitalkameras gleichzeitig aufgenommen, lässt den Zuschauer in eine Welt hineinfallen, die vom immer dramatischer werdenden Zustand des Lukas beherrscht ist.

Zwar verschaffen ihm Medikamente kurzfristig sichtbare Besserung, so dass er sogar arbeiten gehen kann, doch Lukas will das Zeug nicht weiternehmen, sucht nach einem Weg, mit seiner Krankheit anders zu leben als in ständiger medikamentös bedingter Schläfrigkeit und Mattheit.

Dass die (möglicherweise auch sozialisationsbedingten) Hintergründe der Krankheit nur angedeutet werden, war für mich weniger ein Problem. Lukas Mutter hatte sich nach mehreren Aufenthalten in der Psychiatrie umgebracht, als Kati vier Jahre alt war. Die Kinder wuchsen bei den Großeltern auf. Es heißt, Schizophrenie trete verstärkt in sozialen Strukturen auf, in denen Einsamkeit, Isoliertheit, Beziehungslosigkeit vorherrsche.

Daniel Brühl kann sich in exzellenter Weise in seine schizophrene Rolle vertiefen. In Verbindung mit der eingesetzten Technik und Brühl als Hauptdarsteller schafft Weingartner eine intensive Sensibilisierung des Zuschauers für eine Krankheit, über die immer noch sehr wenig bekannt ist. Der Film ist nicht kunstvoll oder gar künstlich inszeniert, spielt selten mit dramatisierenden Effekten, sondern hat fast dokumentarischen Charakter. Die Nähe der Kameraführung am Gegenstand, am Kranken, an seiner Hilflosigkeit, seinen Selbstrettungsversuchen, seinem Widerstand gegen seine Schizophrenie und seiner Verzweiflung zwingt den Betrachter in hautnahe Tuchfühlung zum Kranken und zur Krankheit.

Diese Art der Inszenierung hat große Vorteile, denn sie wirkt weder plakativ oder überdramatisiert, noch aufgesetzt oder aufdringlich. Doch zugleich fehlt dem Film damit auch das Überraschende, das Verstörende angesichts der Verstörung durch die Konfrontation mit der Krankheit. Der Film läuft und läuft und läuft entlang der Krankheit und des Kranken.

»Das weiße Rauschen« verhaftet nicht am Gegenstand in Form eines ärztlichen Patientenprotokolls, aber der Film wächst über den Gegenstand auch nicht hinaus. Der allzu »nahen Nähe« fehlt manchmal die aufatmende Distanz zum Gegenstand, der Schritt (nicht nur mit der Kamera) zurück, das einhaltgebietende »Moment mal«.

Fazit
»Das weiße Rauschen« ist ein überraschend schöner und erschreckender Streifen, dem es gelingt, ein tiefes Mitgefühl für den kranken Lukas zu erzeugen. Doch es zeigte sich mir auch, dass der fehlende Abstand zu einem derart schwierigen Thema (einer für die Betroffenen schicksalhaften Krankheit wie Schizophrenie) die tiefe Verbundenheit des Betrachters letztlich ins Leere laufen lässt. Die exzellente Darstellung des Lukas durch Daniel Brühl und auch die engagiert-sympathische Rolle, die Anabelle Lachatte als Lukas liebende Schwester spielt, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film fast schon platt, unangemessen – wie viele Road-Movies – endet: am Meer.

© Ulrich Behrens 2002 – veröffentlicht zuerst in: www.ciao.com (unter dem Mitgliedsnamen Posdole)



Weitere Links zum Thema:


Mehr Kritiken zum Film auf Internet Movie Database Movie Review Query Engine Rotten Tomatoes


hinzugefügt: May 16th 2002
Autor: Ulrich Behrens
Punkte:
zugehöriger Link: IMDb
Hits: 5937
Sprache: deu

  

[ Zurück zur Übersicht | Kommentar schreiben ]


© 2oo1-2o14 by kinolounge.de · eMail · Impressum · Creative Commons Lizenz · powered by PostNuke CMS