Startseite Alle Themen anzeigen Alle Artikel anzeigen Neuigkeiten aus der Filmwelt Schreib was! Top ten
Willkommen bei kino.lounge
   
  LogIn    
Hauptmenü
· Home
· Kontakt
· Suche

Inhalte
· Film-Kritiken
· Film-Bilder
· Film-Termine
· Film-Links

Community
· Forum
· Gästebuch

ShoutBox
Login to post!

Wer ist im Chat
Foyer0 users

Mitglieder online


Du bist nicht angemeldet

0 member(s) online.
2 guest(s) online.

Letzte 10 Besucher
walt: 23 days ago
JohFredersen: 3413 days ago
LoonaLovegood: 3488 days ago
nobudgetarts: 3806 days ago
DustyYS: 3837 days ago
philip23214: 3876 days ago
isaac23043: 3879 days ago
angel-of-night: 3890 days ago
chas22023: 3892 days ago
julius2200: 3892 days ago

Umfrage:
KILL BILL ist für mich

· genial
· ganz gut
· mittelmässig
· schlecht
Ergebnisse

Stimmen: 308

andere Umfragen

Filmtitel-Suche

auf der Internet Movie
Database, der weltweit
grössten Filmdatenbank

Filmkritik-Suche

auf der Movie Review
Query Engine, der
weltweit grössten
Datenbank für
Filmkritiken

Aktionen

Get a REAL Browser!

Boykottiere die Musikindustrie - kaufe keine CDs!

be aware of RFID

Rettet das Internet!

Spoorloos (The Vanishing)

Spoorloos (The Vanishing)USA 1988, Regie: George Sluizer

Spoorloos (The Vanishing) aus dem Jahr 1993 von Georg Sluizer, ein unscheinbarer Film, der es schafft ohne große suspense-Effekte unter die Haut zu gehen.

Ein junge niederländisches Ehepaar, Rex und Saskia, bereist Frankreich mit dem Auto. Als Saskia auf einem Rastplatz ein paar Getränke einkaufen will, kehrt sie nicht mehr zurück. Damit beginnt für Rex die obsessive unentwegte insgesamt drei Jahre dauernde Suche nach seiner verschollenen Frau. Angefacht wird diese durch regelmäßig gesandte Postkarten des Entführers, Raymond Lemorne. Lemorne ist angesehender Professor und wird in parallelen Sequenzen als Technokrat und Familienmensch beschrieben.

Rex startet schließlich im Fernsehen Aufrufe an den Entführer: Er wolle nur wissen, was mit seiner Frau los sei, er wolle nur Gewissheit haben. Lemorne beschließt schließlich nach Holland zu fahren, um mit Rex Kontakt aufzunehmen. Lemorne läd Rex auf eine Fahrt zurück nach Frankreich ein, bei der er Gewissheit erhalten solle über das Schicksal seiner Frau. Die kalte Berechnung mit der die Stationen der Entführung beschreibt, läßt Böses ahnen, doch der Film erhält zum Schluss ein Wendung, die keiner erwarten konnte ...

Spoorloos ist ein Film, der uns vor Augen führen soll:

  • Die Doppelbödigkeit und den Schein unserer bürgerlichen Moral.

  • Die Gleichgültigkeit des Massengesellschaft gegenüber dem Leiden und den Schicksale der Anderen.

  • Und zuguterletzt ist er ein zynisches Urteil über Lernen, Wissen und Gewissheit.
Lemorne bezeichnet sich immer wieder selbst als Opfer einer psychotischen Gesellschaft, als sog. Soziopath. Doch augenscheinlich ist er der perfekte Bürger und Familienvater. Hier steht der Film ganz in der Tradition der franz. Filme eines Bunuel (Le charme discrete de la bourgeoisie) und der Truffeautschen Krimis. Das Verbrechen, Pathologische und Perverse ist untrennbarer und unscheinbarer Bestandteil des Normalen, lauert und schlummert unter einer dünnen Oberfläche bürgerlichen Anstands und wirft ein Licht auf die Perversion des Normalen selbst. Die Katastrophe ist immer nur ein Schritt weit entfernt.

Diese Perversion besteht in "Spoorloos" in der Anonymität und Gleichgültigheit der Anderen. Die Anderen interessieren sich nicht für die Entführung und das Verschwinden von Saskia; deswegen wendet sich Rex in seinem Fernsehaufruf NICHT an die Bevölkerung mit Bitte um Aufklärung, sondern direkt an den Entführer. Weiteres Indiz dieser massenmedialen Gleichgültigkeit ist die über den gesamten Film aus dem Off tönende Berichterstattung der Tour de France, die uns sensationsgeile Menschen einfach mehr in den Bann zieht. Die Gesellschaft rechnet auf das Vergessen und verlangt nach Kurzweil, nach der raschen Abfolge kurzzeitiger Unterhaltung.

Zum Dritten will "Spoorloos" in der Art der griechischen Tragödie den Weg des Helden in seine Selbstverstrickung zeigen. Der unstillbare Wissensdurst, die unzähmbare Neugier des Menschen besiegelt letztlich sein Schicksal. Rex vor die Wahl gestellt, ob ihm die Gewissheit des Todes seiner Frau oder die Ungewissheit ihres jetzigen Überlebens lieber sei, entscheidet sich klar für das Erste. Dieser manische Drang nach Gewissheit ist denn auch der Grund seines Leidens ... pathei mathos, Lernen durch Leiden, wie Sophokles Antigone sagt.
Dass Wissen tödlich und bedrohlich werden kann, verdeutlicht auch Lemorne. Schon früh wollte er selbst Gewissheit erlangen über die Dinge des Lebens anstatt auf die guten Ratschläge seiner Umgebung zu hören. So erzählt er immer wieder stolz eine Jugendgeschichte, in der er aus purer Neugier vom Balkon des ersten Stockes sprang... nur um endlich unmittelbare Gewissheit darüber zu erlangen, wie es denn wirklich sei. Die Gewissheit bezahlte er selbstredend mit einem Beinbruch. Lernen durch Leiden.
Spoorloos zeichnet so archetypisch ein pessimistisches und zynisches Bild des modernen Menschen, ja des Menschen überhaupt: Wissen ist Wissen zur Bemächtigung des Anderen, Gewissheit der obsessive Weg in den Untergang und die beide zähmende Moral ist verkommen zur ritualisierte Oberfläche einer selbstgefälligen Gesellschaft.

Gefilmt ist "Spoorloos" neben der obengenannten Tradition des französischen Films in einer Hitchcockschen Manier. Immer wieder werden Plätze und Landschaften als riesige Kulisse des verschwindend kleinen Individuums eingesetzt. Daneben besitzt der Film aber auch Dogme 95-Elemente, in denen ein quasi-dokumentarischer Erzählstil vorherrscht. Unruhige und abrupte Kamerafahrten und -bewegungen schaffen plötzlich Raum für unwerwartete Ereignisse.

weitere Links zum Thema:


hinzugefügt: January 8th 2002
Autor: Wolfgang Melchior
Punkte:
zugehöriger Link: IMDB
Hits: 4772
Sprache: deu

  

[ Zurück zur Übersicht | Kommentar schreiben ]

Spoorloos (The Vanishing)
Veröffentlicht von walt am 2003-10-10 01:20:07
Meine Wertung:



oops, tausend Dank für die Info, schon gefixt.

Spoorloos (The Vanishing)
Veröffentlicht von Anonymous am 2003-10-09 16:10:09
Meine Wertung:



Die Jahreszahl und der IMDb-Link sind falsch.
Besprochen wird der Originalfilm von 1988, das Hollywood-Remake von 1993 ist sehr viel weniger empfehlenswert.


© 2oo1-2o14 by kinolounge.de · eMail · Impressum · Creative Commons Lizenz · powered by PostNuke CMS